Warum sollte die Energie auf Bali speziell sein?

Warum sollte die Energie auf Bali speziell sein?

Ich habe Freunde, die geweint haben, als sie das erste Mal auf Bali gelandet sind – weil sie so angerührt waren.

Als ich zum ersten Mal am Flughafen in Denpasar ankam, schlug mir die schwül-warme tropische Wärme entgegen. Bereits im Flughafengebäude duftete es nach Räucherstäbchen, weil die Angestellten auch am Schreibtisch kleine Opfergaben mit Wohlgeruch darreichen.
Ich sah viele lächelnde Balinesen und war tief beeindruckt von der Schönheit der Balinesinnen. Später stellte sich raus, dass ich ausgerechnet am höchste Balinesischen Feiertag, Galungan, in Bali gelandet war und daher fast alle Damen auf den Straßen in Festtagskleidung und Makeup unterwegs waren, wenn sie nicht Moslems waren.
Angekommen in Ubud, bewunderte ich verzierte Architektur der traditionellen Compounds, Reisfelder, die gleich hinter den Straßenzügen beginnen, und fühlte mich reich umgeben von tropischen Gewächsen, Naturgeräuschen sowie dem Gelächter der Balinesen.
Aber da war noch mehr.

Dies waren nur die Wahrnehmungen auf der physischen Ebene. Darunter liegt eine bestimmte Atmosphäre, die Bali zu einem speziellen Ort macht.

Die ruhige  und auf gewisse Art nährende Atmosphäre wird geprägt durch der Umgang der Menschen miteinander und dem bewussten Leben mit der unsichtbaren Welt, den Energien.

Die Dorfbewohner außerhalb der Hauptstadt und Städten wie Ubud grüßen sich mit einem von Herzen kommenden Lächeln, das von leichtem Hochziehen der Augenbrauen begleitet sein kann und nicht unbedingt der Worte bedarf. Balinesen treten schnell in Verbindung mit anderen Menschen, wenn diese dafür offen sind, und nehmen neue Freunde leichten Herzens in ihren Kreis auf. Sofort wird Essen und Trinken angeboten.
Als ich einmal eine Freundin in ihrem Familiencompound besucht habe, gingen meine Flipflops kaputt. Sie gab mir ein paar Flipflops mit den Worten, dass ihr diese ohnehin nicht gut passen würden. Später erfuhr ich, dass sie überhaupt nur zwei Paar Flipflops besaß und Geld chronisch knapp ist.

Die Energien sind an den Orten, wo man noch im Einklang mit der Balinesischen Tradition lebt, fast immer im Gleichgewicht.
Durch die täglichen Opfergaben im eigenen Haus an die „höheren“ und „niedrigeren“ Energien, die mit einem Lächeln und Dankbarkeit dargereicht werden, entsteht eine Ruhe auf energetischer Ebene. Etwas größere Opfergaben werden dargeboten an Vollmond, Neumond und dem zweiwöchigen Kajeng Kliwon, der speziell die niederen Energien adressiert.
Hinzu kommen die häufigen Zeremonien mit komplexen Opfergaben begleitet von den Jahrtausende alten Gebeten, Mantren und Mudras der Priester und Hohepriester, die ebenfalls jedes Mal ein Gleichgeweicht schaffen und die Atmosphäre positiv beeinflussen.

Zeremonien sind wichtig für die Balinesen, aber auch für die Energie Balis

Jede Zeremonie hat eine bestimmte Absicht und ist im Einklang mit dem Balinesischen Kalender (ein Jahr umfasst knapp 7 Monate), der über die vorherrschenden Energien des Tages Auskunft gibt, so dass Zeremonien ohne störende Hindernisse am passenden Tag ihre volle Wirkung entfalten können.

Es gibt persönliche Zeremonien wie die Drei-Monats-Zeremonie, Geburtstagszeremonien nach dem Geburtsdatum im Balinesischen Kalender (Otonan), Zahnfeilung, Hochzeit oder Einäscherung, die zum Leben eines Balinesen gehören. Dann gibt es verschiedene Zeremonie zur inneren Reinigung, die Menschen auf ihrem Weg durchs Leben helfen, und Reinigungszeremonien für Orte.
Bedeutend im Balinesischen Jahr sind die Tempelweihzeremonien (Odalan) für die drei Gemeindetempeln in jedem Dorf, die immer wieder am Tag der ursprünglichen Tempelweihe begangen werden, entsprechend den Kirchweihfesten in Europa.
Die höchsten Feiertage sind Galungan mit Kuningan, an denen die Vorfahren und Götter für 12 Tage in die weltlichen Sphären eingeladen, geehrt und wieder verabschiedet werden.

Odalan und Galungan, erfordern viel Vorbereitung und die Zusammenarbeit des gesamten Dorfes. Die nötigen Opfergaben werden in den Wochen vor der Zeremonie in jedem Haushalt und Tempel erstellt, Tänze werden neu geübt und das Gamelanorchester probt an vielen Abenden, deutlich hörbar im ganzen Dorf.

Getragen wird dieser immense Zeit- und Geldaufwand von Dankbarkeit und Hingabe an alles was ist oder im Balinesischen Sprachgebrauch: an die Götter. Daher ist tatsächlich die Hingabe der Menschen, die die „gute Energie“ erschafft.

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Für alle, die nicht unmittelbar nachvollziehen können, dass man Atmosphäre fühlen kann, ist hier ein Beispiel: Wenn in einem Haus Menschen oft streiten und die Luft zum Schneiden dick ist, ist die Atmosphäre ganz anders als in einem Haus, wo Menschen möglichst liebevoll miteinander umgehen und gemeinsam Verantwortung übernehmen.

Es gab etliche Traditionen weltweit, die unsichtbare Energien respektierten und mit ihnen in Einklang und Gleichgewicht lebten. Über neue Gesellschaftswerte, die weniger auf Gemeinschaft bauen sondern individuellen Reichtum und Erfolg hervorheben, ging dieses Wissen vielerorts verloren. Einer der wenigen Orte, wo noch kollektiv für den Ausgleich der Energien Sorge getragen wird, ist Bali.